Elektroautos sind ein umstrittenes Thema und nicht jeder kann sich für die Fahrzeuge begeistern. Doch laut einer neuen Studie der Universität Hohenheim tragen Carsharing-Angebote einen großen Teil dazu bei, dass Deutsche dem E-Auto eine Chance geben. Über einen Sinneswandel in der E-Mobilität. 

Deutschland lag 2019 beim Absatz von E-autos europaweit unter den Top Drei, das besagt der CAM Electromobilty Report 2019. Das bedeutet konkret 41.000 Neuzulassungen im letzten Jahr, davon 58 Prozent reine Elektroautos und 42 Prozent Plug-In-Hybride. Damit gehörte der deutsche Markt mit einem Zuwachs von 48 Prozent zu den weltweit am stärksten wachsenden E-Auto Märkten, während vormals starke Vorreiter wie USA und China im Absatz eher stagnierten. 

 

Geringer Marktanteil trotz Kaufanreizen

Trotzdem ist die Skepsis gegenüber den E-Fahrzeugen auch in Deutschland noch hoch - vor allem die Reichweite und der Zugang zu Ladestationen halten viele von einem Wechsel zum Elektroauto ab. Trotz Förderungsprogrammen und einem insgesamten Anstieg der Kaufbereitschaft, liegt der Anteil an Elektrofahrzeugen auf deutschen Straßen laut dem Kraftfahrtbundesamt bei lediglich 0,3 Prozent. Traditionelle Probefahrten können dahingehend Hemmungen nehmen - doch eine Studie der Universität Hohenheim in Kooperation mit der Surrey Business School und der EBS Universität für Wirtschaft und Recht zeigt jetzt, dass es eine effektivere Methode gibt, um die Deutschen vom E-Auto zu überzeugen: Carsharing. 

 

Carsharing führt zu höherer Akzeptanz 

Viele Carsharing-Anbieter haben Elektrofahrzeuge in ihren Flotten. Auch weil das nachhaltige Image von E-Autos gut zu dem Ansatz des Ridesharings passt. Durch die Befragung von Kunden vor und nach der Nutzung von Elektroautos im Rahmen von Carsharing-Angeboten kamen Forscher zu dem Fazit, dass diese Bereitstellung auch Auswirkungen auf das private Konsumverhalten der Nutzer hat. Die Fahrer hatten nach der Fahrt eine deutlich positivere Einstellung gegenüber E-Autos: Die Absicht die genutzte Marke zukünftig selbst zu kaufen stieg und die Befragten gaben an, die Fahrzeuge in Zukunft stärker weiter empfehlen zu wollen. 

 

„Ein bemerkenswertes Ergebnis“

„Ein bemerkenswertes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass im Carsharing nicht das Produkt im Mittelpunkt steht, sondern eher die Befriedigung des Mobilitätsbedürfnisses“ so Prof. Dr. Büttgen von der Universität Hohenheim. Die Nutzung könne als unbeabsichtigte Probefahrt mit einem positiven Image-Effekt angesehen werden, wie auch Dr. Adrian Lehr bemerkt: „Durch die eigenen Erfahrungen verbessert sich die Einstellung der Nutzer gegenüber diesem Fahrzeugtyp nachweisbar“. 

 

Unbewusst positive Erfahrungen wirken nachhaltiger als bewusste Produkttests

Die Carsharing-Erfahrung schneidet neben der klassischen Probefahrt übrigens tatsächlich besser ab - die „unbewusst positiven Erfahrungen“ führen laut Studie dazu, dass Probanden leichter von der Marke zu überzeugen sind, als bei der traditionellen Probefahrt. Es ist wohl die gefühlte Unabhängigkeit des Erlebnisses, das bei Nutzern den positiven Effekt bedingt - Das Gefühl, eben nicht ein Produkt zu testen, sondern eine eigenständige Erfahrung zu machen. Eine interessante Erkenntnis, auch über die Welt der E-Mobilität hinaus.