Jodel wird häufig als „ehrlichstes soziales Netzwerk“ bezeichnet. Der Grund? Die totale Anonymität der Nutzer. Digitalministerin Dorothee Bär stellte sich diese Woche den kritischen Fragen der Community. Ein mutiger Schritt in Richtung einer jungen Zielgruppe - denn die nimmt kein Blatt vor den Mund.

„Egal ob zur #Corona-Warn-App oder der #Digitalisierung in Deutschland, poste deine Frage mit dem Hashtag #FragDoroBär auf Jodel!“ So kündigte die offizielle Jodel Facebook-Seite die Aktion um Digitalministerin Dorothee Bär an. Diese stellte sich am Mittwoch den Fragen der anonymen Jodel Community.

Jodel - was war das nochmal?

Jodel ist ein 2014 gegründetes, deutsches Startup. Es ist ein soziales Netzwerk, das mit monatlich aktiven User im siebenstelligen Bereich zu einer der beliebten Social-Media Plattformen in Deutschland zählt. Laut Informationen des Handelsblatt sammelte das Startup 2017 sechs Millionen Dollar an Risikokapital von Silicon Valley Investoren ein.

Die Besonderheit der Plattform ist dabei einerseits ihre komplette Anonymität. Es gibt keine Profile, wie bei den meisten anderen social networks und man weiß nichts über die Nutzer, mit denen man agiert. Nutzer können Posts hoch oder runter voten und damit bestimmen, welche Inhalte gesehen werden und welche nicht. Der zweite Faktor, der bei Jodel Alleinstellungsmerkmal ist, ist die Hyperlokalität der App. Man bekommt als Nutzer also nur die Jodel in der eigenen Umgebung zu sehen - was zu einer lokalen Relevanz und Community Bildung führt.

Als Studenten App entwickelt ist die primäre Nutzergruppe jung und gut ausgebildet, zwischen 18 und 26 Jahren alt und deshalb wahrscheinlich eine interessante Plattform für die Digitalministerin.

„Sind Sie masochistisch veranlagt?“

Allerdings führt genau diese Nutzergruppe, kombiniert mit der Anonymität auch zu sehr vielen kritischen Fragen. Ein Jodel-Nutzer fasst die Entscheidung von Dorothee Bär, sich gerade auf Jodel zu platzieren, folgendermaßen zusammen: „Sind sie masochistisch veranlagt oder wie kommt man auf die Idee, sich auf einer Plattform wie Jodel den Fragen der künftigen Wähler zu stellen?“. Diese Frage wurde schlussendlich von der Staatsministerin nicht beantwortet, dafür aber einige andere. Die nach ihrem Lieblings-Computerspiel zum Beispiel, oder wann Behörden-Gänge endlich online möglich sind. Oder auch diese hier: „Wie kann es sein, dass ich ein so langsames Internet habe, dass Nacktbilder auf Jodel schneller geblockt werden, als sie bei mir öffnen?“. Man darf sich selbst nicht zu ernst nehmen, wenn man sich auf einer anonymen Studenten-App den Fragen der Community stellt, so viel ist klar.

Kein einfaches Pflaster für politische Diskussion

Ob es dennoch eine gute Idee der Ministerin war, auf Jodel Präsenz zu zeigen wird sich herausstellen. Das Feedback aus der Community ist gemischt, manche Antworten wurden durchaus positiv aufgenommen. Doch beispielsweise für die Reaktion auf die Frage: „Wieso hatte ich in meinem letzten Urlaub auf einer Düne in der Sahara 4G, kann aber im Zug zwischen Aachen und Köln nichtmal ne WhatsApp Nachricht schicken?“, erhielt Dorothee Bär ganze 5.283 downvotes, weil sie den Wahrheitsgehalt der Frage bezweifelte. In jedem Fall war es ein mutiger Schritt auf eine Zielgruppe zu, für die das Thema Digitalisierung Kernproblematik ist. Eine Aktion, die es geschafft hat, Interaktion zu schaffen- trotz, oder gerade wegen, der Direktheit der Plattform.

Alle Fragen und die Antworten der Ministerin findet ihr hier zum nachlesen.