Es ist ein Name, den man eher mit einer Erlebnisplattform als mit einer Person verbindet: Jochen Schweizer. Der Mann hinter der Marke, die anderen zu mehr Inspiration verhilft, spricht im Interview über die Entscheidung, einer ganzen Unternehmensgruppe seinen Namen zu geben und was ihn persönlich im Alltag motiviert.

Jochen, ein Unternehmen mit dem eigenen Namen aufzuziehen: Empfiehlst du das auch anderen Gründern? Immerhin birgt das für beide Seiten ein gewisses Risiko.

Jochen Schweizer: Mit der Entscheidung ein Unternehmen nach dem eigenen Namen zu benennen, aus dem dann im Erfolgsfall eine Marke wird, kommt eine gewisse Verantwortung – dessen sollte man sich bewusst sein. Denn man selbst beeinflusst die Marke, das Image, mit seinem Tun, mit seiner Geschichte. Allerdings birgt diese Entscheidung auch viele Chancen: Es verleiht der Marke Authentizität und Lebendigkeit. Es gilt für jeden Gründer die Chancen und Risiken gegeneinander abzuwägen. Wenn ersteres überwiegt, dann kann ich die Entscheidung empfehlen. Ich selbst sage zu meinen Mitarbeitern immer: „Ihr alle seid Jochen Schweizer“ – jeder einzelne ist Jochen Schweizer. Denn eine Marke ist schließlich nichts anderes, als die gemeinsame Intention aller Menschen, die hinter der Marke stehen.

Dein Unternehmen stand vor ein paar Jahren kurz vor dem Aus. Du hast trotzdem weitergemacht – auf eigenes Risiko. Sollte das für einen Gründer selbstverständlich sein?

Schweizer: Dafür muss man definitiv der richtige Typ sein. Ein guter Gründer muss bestimmte Eigenschaften vorweisen, die nicht jeder hat. Dazu gehört auch der Umgang mit Niederlagen. Es geben aber viel mehr Menschen auf, als dass sie scheitern. Dabei liegt oft genau im Scheitern die Chance. Für mich hat jeder Applaus verdient, der etwas ernsthaft, aufrichtig und mit dem nötigen Einsatz versucht hat. Rückschläge gehören dazu. Ich kenne keinen Unternehmer, der mit seinem ersten Unternehmen sofort erfolgreich war. Entscheidend ist, wie man mit den Schwierigkeiten, die sich auf dem Weg unweigerlich ergeben werden, umgeht. Stolpersteine, Hindernisse und missglückte Aktionen sind immer auch eine Entwicklungschance. Die gemachten Fehler müssen analysiert und daraus gelernt werden. So können Hindernisse nach und nach überwunden werden. Und mit jedem weiteren Versuch klappt es etwas besser.

Du bist charakterlich kein Typ, den man so schnell vergisst. Hat dir das zu so großem Erfolg geholfen?

Schweizer: Diese Eigenschaft hat wohl zu meinem Erfolg beigetragen. Vielleicht verdanke ich meinen Erfolg diesem permanenten Gefühl, mich nicht abgeben zu wollen mit dem, was mir im Leben begegnet.

Wer eine klare Vorstellung davon hat, in welche Richtung es gehen soll, tut sich oft schwer, Ratschläge anderer anzunehmen. Von wem nimmt ein Jochen Schweizer Ratschläge an?

Schweizer: Der Unterbau meiner Entscheidungen ist stets emotional, der Überbau rational. Im geschäftlichen Umfeld sind in erster Linie meine Führungskräfte meine wichtigsten Sparringspartner. Ich habe eine hochqualifizierte Managementebene, die operativ die Geschäfte führt. Mit ihnen bespreche ich mich zu erfolgskritischen strategischen Entscheidungen und berücksichtige zumeist deren Ratschläge. Zu meinen wichtigsten Beratern gehören außerdem langjährige Wegbegleiter, wie beispielsweise das Werber-Urgestein Jürgen „Yussof“ Knauss, der mir bei wichtigen Entscheidungen oft den richtigen Ratschlag oder Impuls gibt.

Du bist der Motivator, der andere Menschen über ihre eigenen Grenzen schickt. Wie motivierst du dich selbst?

Schweizer: Mein Dharma, meine Funktion im Leben ist es, Menschen zu motivieren Dinge zu tun, die sie nicht tun würden, wenn sie mir nicht begegnet wären. Um mich selbst zu motivieren, schöpfe ich Kraft aus Ruhephasen. Ich suche bewusst die Stille, zum Beispiel beim Yoga oder Zen-Kajaking.

Kann man Parallelen ziehen zwischen deinem vorherigen Job als Stuntman und deinem jetzigen als Unternehmer?

Schweizer: Absolut. Als Stuntman habe ich immer die Gesetze der Physik geachtet – denn Gravität ist nicht verhandelbar – so wie ich als Unternehmer heute die Gesetze des Marktes und die Gesetze sinnvollen unternehmerischen Handelns achte. Durch den Extremsport habe ich außerdem gelernt Risiken richtig einzuschätzen. Ich habe zu Risiko mittlerweile ein sehr abgeklärtes Verhältnis. Risiko ist nichts anderes als Unsicherheit. Man kann sie bis zu einem gewissen Grad managen, aber am Ende bleibt der Ausgang dann doch irgendwie ungewiss. Deshalb haben viele Angst vor Unsicherheit. Trotzdem liegt für mich in der Unsicherheit vor allem die Chance. Im Sport und in der Entwicklung meiner Firmengruppe hat Unsicherheit eine große Rolle gespielt. Ich musste häufig Unsicherheiten in Kauf nehmen, um voran zu kommen.

Hinter Jochen Schweizer versteckt sich neben den Erlebnissen unter anderem ein IT Dienstleister, ein Reiseveranstalter und seit Ende 2019 auch Lebensmittel. Wie passt das unter einen Hut?

Schweizer: Jochen Schweizer steht für inspirierende Erlebnisse. Inspiration ist ein Begriff, der sich wie eine Klammer um sämtliche Geschäftsfelder zieht. Wir inspirieren Menschen dazu, mehr aus ihrem Alltag oder ihrem Urlaub zu machen, neue Geschmackserlebnisse zu probieren und ihren Horizont zu erweitern. Firmen inspirieren wir zu unvergesslichen Mitarbeiterevents und motivierenden Teambuildings für gesteigerten Unternehmenserfolg.

Eine letzte Frage: Würdest du es heute nochmal machen?

Schweizer: Eine retrospektive Sichtweise passt nicht zu meiner Lebenshaltung. Jeder Mensch befindet sich in seinem Leben auf einer bestimmten Position. Diese Position ist das Ergebnis der Summe aller Entscheidungen, die er in der Vergangenheit gefällt hat – auch der vermeintlich falschen. Würde ich zurückschauen, sähe ich einen Haufen Fehler, die ich gemacht habe. Könnte ich sie nachträglich vermeiden, hätte das meinen Weg wesentlich leichter gemacht. Ich wäre heute aber ein anderer Mensch, da ich aufgrund falscher Entscheidungen in unglaublich schwierige Situationen kam, die ich meistern musste. An diesen Situationen bin ich gewachsen. Hätte ich mich stets richtig entschieden, wäre ich heute nicht der, der ich geworden bin.