Anja Förster ist Bestellerautorin und Vortragsrednerin. Gemeinsam mit ihrem Mann Peter Kreuz rief sie die Initiative "Rebels at Work" ins Leben - Eine Community von Vordenkern und Innovatoren, die auch innerhalb etablierter Unternehmen neue Wege gehen wollen. Wir haben uns mit ihr darüber unterhalten, wie die Führung der Zukunft aussehen muss und warum es kein naiver Optimismus ist, auch in einer Krise nach vorne zu schauen.

Wie trinkst du deinen Kaffee?

Ohne Zucker, mit geschäumter Milch

 

 Wann kommen dir die besten Ideen?

In der Natur, beim Morgenlauf oder beim Segeln. Die Kombination von Aktivität und Natur hilft mir, bei mir selbst anzukommen, neue Perspektiven zu entdecken und so auch kreative Lösungen zu finden.

 

Du bist unter anderem eine eigentlich europaweit tätige Keynote-Speakerin - wie hat sich dein Arbeitsalltag durch die Pandemie verändert? 

Das war ein harter Einschnitt, als ich im März von einem Moment auf den anderen nicht mehr auf Führungskräftekonferenzen oder Wirtschaftskongressen auftreten konnte. Und das ohne Vorwarnung. Aber trotz aller Verunsicherung, die eine solche Situation auslöst, habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich bei mir nach anfänglicher Fassungslosigkeit eine innere Kraft entwickelt hat. Gemeinsam mit meinem Mann Peter, mit dem ich mir die Geschäftsführungsaufgaben teile, habe ich nachgedacht und unser „business as usual“ hinterfragt. Es war eine gigantische Einladung, unser Leben und unsere Arbeit mit frischem Blick zu betrachten. Gerade der erzwungene Bruch mit den üblichen Routinen und dem Gewohnten hat bei mir starke Veränderungskräfte freigesetzt.

 

Gemeinsam mit Peter Kreuz hast du dieses Jahr das Buch „Vergeude keine Krise“ heraus gebracht - Was hat euch zu dem Projekt inspiriert? 

Die gegenwärtige Krise verändert die Art und Weise, wie wir leben, arbeiten und unsere Geschäfte führen. Das hat eine große Wucht und Tragweite. Dennoch ist es uns wichtig, den Blick nach vorn zu richten. Das hat nichts mit naivem Optimismus zu tun, ganz im Gegenteil. Manchmal ist ein Schockerlebnis nötig, um uns wachzurütteln und uns dazu zu zwingen, unsere Überzeugungen und unsere tradierten, einfach übernommenen Annahmen zu hinterfragen.

 

Welche gesellschaftlichen Veränderungen glaubst du wird die derzeitige Krise inspirieren? Und welche würdest du dir wünschen?

Wir stellen zu Anfang unseres Buchs die Frage: Wollen wir wirklich zur alten Normalität zurückkehren? Aus meiner Sicht wäre es fahrlässig, die Krise ungenutzt verstreichen zu lassen. Sich auf diesen Gedanken einzulassen, fällt vielen Menschen schwer. Wenn die Dinge schieflaufen, gehen sie in die Opferrolle. Ihr anklagender Zeigefinger richtet sich auf die Umstände, das Pech, die schwierigen Zeiten. Die Gestaltungsmacht über das eigene Denken und Handeln wird so komplett abgegeben. Ohne Zweifel passieren im Leben immer wieder schlimme Dinge wie Krisen, Kündigungen oder Todesfälle im engsten Umfeld. All das sind Ereignisse, die wir nicht beeinflussen können. Was wir aber beeinflussen können, ist unsere Reaktion. Was uns widerfährt, löst Gefühle in uns aus, es ist aber nicht die Ursache; die Ursache sind wir selbst. Auch wenn es schwerfällt, diesen Gedanken anzuerkennen: Wie wir auf die Ereignisse reagieren, ist unsere Wahl.

 

Es geht also um das bewusste Herausgehen aus der Opferrolle?

Den Schlüssel zum Umgang mit den Krisen im Leben haben wir selbst in der Hand. Eigenmacht ist in diesem Zusammenhang der Schlüsselbegriff. Sind wir davon überzeugt, dass wir selbst eine Situation mitgestalten können? Fühlen wir uns ermächtigt, etwas zu unternehmen, was das Spiel zu unseren Gunsten dreht? Wer sich eigenmächtig fühlt, kann schwierige Herausforderungen und Bedrohungen besser meistern.

 

Das Thema Führung und Management beschäftigt euch nicht nur in eurem aktuellen Buch wieder, sondern war auch bei euren vorherigen Publikationen immer wieder Thema. Wie muss denn die Führung der Zukunft aussehen?

Wir brauchen in herausfordernden Zeiten nicht die Mentalität der Handlanger und Abarbeiter, sondern eine Grundeinstellung der selbstbewussten Eigenverantwortung. Führungskräfte, die sich Mitarbeiter wünschen, die Ideen entwickeln, beherzt um die Ecke denken und selbstverantwortlich Dinge vorantreiben, müssen aber erst einmal die Bedingungen dafür schaffen. Das wichtigste Arbeitsfeld der Führungskraft ist es, den eigenen Leuten den Weg freizumachen. Das fordert von der Führung, dass sie den Mitarbeitern vertraut. Und es fordert von den Mitarbeitern, dass sie zu einem erwachsenen Umgang mit Freiraum und Selbstverantwortung willens und fähig sind.

 

Was ist mit denjenigen, die nicht bereit sind, sich auf Freiheit und Selbstverantwortung einzulassen? 

Natürlich gibt es auch Leute, die froh sind, wenn ihnen stets ein fester Rahmen, klare Anweisungen und eine Checkliste vorgegeben werden, die sie abarbeiten können. Daran muss sich nichts ändern. Zum selbstbestimmten Umgang mit Freiheit gehört auch, dass Menschen sich entscheiden, die Freiheit nicht in Anspruch zu nehmen. Doch auch diese Leute leben davon und behalten nur dann ihre Jobs, wenn neue Ideen für die Zukunft entwickelt werden und ihre Organisationen Antworten für eine sich verändernde Welt finden. Gerade diejenigen, die Vorgaben und Sicherheit für sich fordern, sollten allergrößtes Interesse daran haben, dass ihre Führung nicht aus Status-quo-Verwaltern besteht, sondern aus innovativ denkenden Gestaltern.

 

 Mit „Rebels at Work“ habt ihr eine Community von Vordenkern gegründet, die es sich auf die Fahne geschrieben haben, tradierte Strukturen in Unternehmen aufbrechen zu wollen. Auf welche Herausforderungen stößt man, wenn man neues Denken in alte Systeme bringen will?

Menschen, die sich bewegen, treten der stehenden Masse zwangsläufig auf die Füße. Jede Veränderung bedeutet zuallererst einmal Gefahr für diejenigen, die sich behaglich im Status quo eingerichtet haben. Deshalb wird sie auch nur pro forma geduldet. Die instinktive Reaktion ist Abwehr. Warum das so ist, ist leicht nachvollziehbar. Der Zweck jeder klassischen Organisation ist es, ihren Zustand zu erhalten. Eine Organisation, die die Chance haben will, längere Zeit zu überdauern, braucht also eine gewisse Robustheit gegenüber Einflüssen und Reizen. Aus dieser Perspektive betrachtet, ist jede Veränderung zuerst mal eine Bedrohung. Das soziale System leistet reflexartig Widerstand. Spannend ist also nicht, dass es Widerstand und sogar Ablehnung gibt. Spannend ist: Was machst du, nachdem du zurückgewiesen wurdest? Ich kann mich in die Schmollecke zurückziehen und gar nichts mehr machen oder aber ich nehme es als Ansporn. Was dabei hilft, ist, sich Verbündete zu suchen. Ein einsamer Rebell, der im Unternehmen mit kühnen neuen Ideen aufwartet, kann leicht zur Seite gedrängt werden. Wenn es aber mehrere sind, dann ist es sehr viel schwieriger, sie auszubooten. Es ist auch für das eigene seelische Gleichgewicht gut zu wissen, dass man Verbündete hat und nicht alleine kämpfen muss.

 

 

 

 

Bildquelle: Anja Förster

 

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