Eva Weber (CSU) ist seit Mai 2020 Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg. Die studierte Juristin war vor ihrem Amtsantritt bereits als Zweite Bürgermeisterin, sowie Wirtschafts- und Finanzreferentin in der Stadtregierung vertreten. Wir haben uns mit ihr darüber unterhalten, wie es um Augsburg als Wirtschaftsstandort steht, wie sie das Thema Digitalisierung angeht und was Öffentlichkeitsarbeit auf Social Media bedeutet.

Wie trinken Sie Ihren Kaffee?

Am liebsten morgens alleine in meiner Küche.

 

Was ist ein Thema, dass Sie gerade besonders fasziniert?

Ich war kürzlich zu Besuch bei German Bionic, einem Augsburger Unternehmen, das 2019 den Deutschen Gründerpreis gewonnen hat. Dort werden Exoskelette hergestellt, also „technische Rucksäcke“, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern helfen, rückenfreundlich schwere Lasten zu bewegen. Zum Beispiel in der Altenhilfe könnte dies einen echten Mehrwert bringen. Wie wir mit Technik die Arbeitswelt verändern und für Menschen Prozesse erleichtern können – das ist ein sehr spannendes Feld, finde ich.

 

Sie sind jetzt schon beinahe ein halbes Jahr Oberbürgermeisterin von Augsburg. Wie haben Sie diese turbulente erste Zeit im Amt erlebt?

Das erste halbe Jahr hat mir gezeigt, wie wenig ich mich derzeit auf Erfahrungen und Pläne verlassen kann. Die Corona-Pandemie regiert mit, sie begleitet mich als Variable bei jeder Entscheidung. Zum Glück war ich auch schon vor meinem Amtsantritt eng in den Krisenstab eingebunden und wurde mit dem Thema nicht überrollt.

 

Durch Corona hat sich viel unserer Infrastruktur ins digitale verlegt - Ein Thema, bei dem Deutschland immer noch hinterherhinkt. Was tun Sie für die digitalen Möglichkeiten in Augsburg?

Der Ausbau der digitalen Möglichkeiten ist etwas, das in allen städtischen Einrichtungen und bei all unseren Projekten eine entscheidende Rolle spielt. Bereits im Wahlkampf habe ich deshalb vorgeschlagen, dass wir einen Digitalrat gründen, ein Gremium aus multidisziplinären Expertinnen und Experten, das die Politik und Verwaltung zukünftig berät. Denn Digitalisierung ist ja nicht nur die Einführung von technischen Tools, Digitalisierung findet auch in der Gesellschaft Niederschlag. Mir ist dabei wichtig, dass die Technik immer dazu dienen muss, die Menschen zu unterstützen.

 

Und wie steht es insgesamt zurzeit um Augsburg als Wirtschaftsstandort?

Die Lage ist ernst, das will ich hier gar nicht schönreden. Die Corona-Pandemie stellt Augsburgs Wirtschaft vor große Herausforderungen. Da wir als Kommune Unternehmen nicht direkt subventionieren können, müssen wir andere Lösungen finden, um die Wirtschaft zu stärken. Die 100-Millionen-Unterstützung des Freistaates für den Aufbau eines Zentrums für Künstliche Intelligenz ist ein Beispiel, mit dem dies möglich sein wird: Wir haben in Augsburg tolle Unternehmen, und damit meine ich nicht nur die großen Player, sondern auch starke kleine und mittlere Unternehmen, die extrem gute Produkte herstellen. Gleichzeitig ist es überall auf der Welt günstiger zu produzieren als hier. Das Hilfspaket ermöglicht es, unseren Produktionsstandort zu festigen und zukunftsfähig auszubauen, indem wir in anwendungsorientiere Innovationen investieren und damit unsere Unternehmen immer eine Nasenspitze innovativer sein können, als die vielleicht kostengünstigere Konkurrenz. Davon profitiert die künftige Augsburger Arbeitswelt, aber auch die Uni, die Hochschule, das Technologiezentrum und die Forschungsinstitute.

 

Auch Sie haben Ihre Öffentlichkeitsarbeit zu großen Teilen ins Internet und auf Social Media verlegen müssen. Was haben Sie gelernt?

Ich habe gelernt, wie wichtig mir der direkte Kontakt ist. Und dass ich mir nicht jeden Hass-Kommentar, der mich erreicht, zu Herzen nehme. Alle, die mich kennen, wissen, dass ich mich vor Kritik niemals verschließe und gerne und viel diskutiere. Meinungsverschiedenheiten sind für eine Demokratie das Salz in der Suppe und ich sehe kritische Stimmen und unterschiedliche Standpunkte als Bereicherung an. Gerade im Netz kommt es aber immer wieder zu Beleidigungen, die nichts mehr mit konstruktivem, fairem Streiten zu tun haben.

 

Sie sind die erste weibliche Oberbürgermeisterin Augsburgs. Woran liegt das Ihrer Meinung nach? Und glauben Sie Ihr Geschlecht reflektiert sich in der Art, wie Sie Politik machen?

Diese Frage wird mir sehr oft gestellt, und daran merke ich, dass diese Tatsache in der öffentlichen Wahrnehmung eine große Bedeutung hat. Wenn ich dadurch generelle Überlegungen und Debatten über Frauen in Führungspositionen anstoße, ist mir das Recht. Ansonsten denke ich, dass jeder Mensch Stärken und Schwächen hat, und die berufliche Kompetenz mit eben diesen und nicht mit dem Geschlecht zu tun hat.

 

Was raten Sie jungen Frauen, um auch in Männerdomänen erfolgreich aufzusteigen?

Jungen Frauen rate ich, sich durch nichts und niemanden einschränken zu lassen. Nicht durch die Gesellschaft, nicht durch die Medien, nicht durch Influencerinnen und Influencer. Habt keine Angst ihr selbst zu sein, dann findet ihr euren Weg.

 

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, das nächste große Cover einer weltweit aufgelegten Zeitschrift zu entwerfen, was würden Sie drauf machen?

Einen Spiegel und die Aufforderung zu lächeln. Ich glaube, wir müssen wieder anfangen, uns wirklich und ehrlich mit uns selbst auseinanderzusetzten und uns selbst mit mehr Wertschätzung betrachten. Nur dann erlangen wir wieder die Größe, andere Meinungen als Bereicherung und nicht als Gefährdung zu sehen, und können wieder aufeinander zugehen.