Michael Brecht ist Unternehmer und Investor mit dem Fokus auf New Mobility und Logistics Themen. Als Mehrfachgründer berät er gestandene Startups bei ihren Finanzierungs- und Wachstumsfragen. Wir haben uns mit Michael über seinen Tagesablauf und die Folgen der Pandemie für die Innovationsfähigkeit der Startup-Szene unterhalten.

Wie trinkst du deinen Kaffee? 

Als Espresso Macchiato, gerne mehrmals am Tag.

 

Wie sieht dein Alltag zurzeit aus?

Ich arbeite zwar nach wie vor viel aus meinem Home-Office, aber inzwischen finden einige Treffen mit Investoren und Gründern wieder physisch statt. Jetzt im Juli werde ich zum Beispiel 2x in Berlin sein, letzte Woche war ich in Hamburg – auf dem Weg zur Normalität…

 

Was hat dich in letzter Zeit beeindruckt?

Mich beeindrucken die vielen kleinen Unternehmer, die aufgrund von Corona/COVID-19 in existentielle Schwierigkeiten gekommen sind, da sie für lange Zeit schließen mussten, oder denen anderweitig die Umsätze weggebrochen sind. Ihr Unternehmergeist ist beispielhaft.

Nehmen wir einmal meinen Lieblingsitaliener für einen Espresso inmitten von Augsburg - Il Vicolo. Der ist nun wirklich abhängig von hohem Kundentraffic in seinem Mini-Laden, und doch ist die gesamte Familie dort niemals schlecht gelaunt. So geht positives Denken.

 

Du bist selbst Mehrfachgründer und stehst heute gestandenen Startups beratend zur Seite. Was muss ein/e junge/r Gründer/in auf jeden Fall mitbringen?

Zunächst einmal muss ein/e GründerIn nicht unbedingt jung sein, das mal vorweg. Da ich mich ausschließlich mit digitalen Gründerteams beschäftige, sehe ich gerne eine gewisse Komplementarität im Gründerteam. Für die Umsetzung neuer digitaler Geschäftsmodelle braucht es demnach einen IT’ler, einen kunden- oder marktorientierten Gründer und eventuell einen weiteren eher kaufmännisch-organisatorisch orientierten Gründer. Ich würde mir grundsätzlich wünschen, dass wir mehr weibliche Gründer in Deutschland sehen. Der Männerüberhang ist mir leider immer noch zu hoch.

 

Muss Jede/r mal scheitern?

Jede/r kann einmal scheitern, das ist heute nicht mehr so schlimm. Wichtig ist, dass man die Bereitschaft mitbringt, aus den eigenen Fehlern zu lernen. Das kann ja auch durchaus im selben Startup der Fall sein, einen Strategiewechsel gerade in den ersten 2-3 Jahren nehmen viele Startups vor und finden somit ihren Weg zum Erfolg.

 

Wie glaubst du beeinflusst die derzeitige Pandemie die Innovationsbereitschaft in Deutschland?

Wir haben zunächst einmal recht viele neue Startups in Bereichen, die zuvor vielleicht nicht so auf unserem Radar waren. Home delivery services, Sports-Communities für den gemeinsamen, virtuellen Sport vor dem Bildschirm usw. Schnelle Gründerteams sind hiermit in den letzten Wochen gestartet. Leider beeinflussen die Nachwehen der Pandemie aber viele Branchen negativ. So sind in der Mobility Szene viele Geschäftsmodelle derzeit in Frage gestellt, da wir alle tatsächlich in den letzten Monaten ja weniger unterwegs waren. Als Beispiel nenne ich das RidePooling – alleine die Bahn Tochter Clevershuttle musste bis auf zwei Standorte alle Städte (so auch Berlin) aus Kostengründen schließen. Viele der Investoren halten sich derzeit stark zurück, unterstützen maximal bereits bestehende Investments im eigenen Portfolio. Da bleibt an Innovationsgeist einiges auf der Strecke.

 

Als Investor interessieren dich unter anderem die Bereiche Logistik, Next-Generation Mobility und Smart City. Was macht diese Themen so spannend?

Mobility und Logistics vereinen als Megathemen die Bereiche Transport, Bewegung, Ökologie und beantworten Fragen, wie wir in Zukunft zusammenleben wollen (Smart Cities). Hier werden die digitalen Zukunftsthemen wie Internet of Things, Smart Devices, E-Mobility und Connectivity zusammengeführt.

Dabei geht es in den urbanen Zentren vielfach um die Bewältigung der letzten Meile für Menschen und Güter. Doch auch auf dem Land brauchen wir neue Mobilitätskonzepte, um unserer alternden Bevölkerung Lösungen für das Bewegen von A nach B zu liefern.

Viele europäische Städte wie Paris, Rotterdam oder Kopenhagen machen es uns vor: hier wird Mobility weiter gedacht und geplant, als bei uns. Diese Beispiele sollten wir uns zu Herzen nehmen, denn gerade hier in der Stadt Augsburg und im Landkreis stehen wir doch in Sachen Mobility und Logistik vor enormen Herausforderungen. Diese Themen finde ich spannend und inspirierend zugleich.

 

Hättest du lieber ein selbstfahrendes Auto oder Flugtaxis?

Autonomes Fahren gilt als die Königsdisziplin für Fahrzeuge hier auf der Erde. Sie ist so unendlich viel komplexer, als das Fortkommen per Flugtaxi, denn in der Luft selbst ist jede Aktion und jeder Quadratmeter streng reguliert. Auf unseren Straßen hingegen sind die Unwägbarkeiten so viel präsenter. Von daher optiere ich für das Autonome Fahren, vor allem im Berufsverkehr zu Stoßzeiten.

  

Wenn du die Möglichkeit hättest, das nächste große Cover einer weltweit aufgelegten Zeitschrift zu entwerfen, was würdest du drauf machen?

Zwei Fotos aus Paris, nebeneinander. Einerseits den Pkw-Stau noch vor wenigen Jahren, andererseits die Situation heute mit vielen (teils elektrischen) Zweirädern und einer sichtlich lebenswerteren Stadt.

 

 

Weiterführende Leseempfehlung für alle emobility-Interessierte: Michael Brecht ist unter Anderem Herausgeber für den eMobilitäts Blog, auf dem er regelmäßig Artikel zur Zukunft der Infrastruktur veröffentlicht. Wer stattdessen lieber mehr über Brecht selbst erfahren möchte, sollte auf seiner persönlichen Website vorbeischauen.