Chris Weier ist Gründerin und New Work Expertin. Sie bezeichnet sich selbst als Digital Creative und ist mit ihrer Strategic Experience Design Agentur in Hamburg und Kopenhagen vertreten. Wir haben uns mit ihr über ihre Kreativitäts-Geheimwaffe, die Arbeit der Zukunft und tolle Tools unterhalten.

 

Wie trinkst du deinen Kaffee? 

Am liebsten aus dem Handfilter und dann schwarz.

  

Arbeitest du zurzeit im Homeoffice? 

Ich arbeite generell meistens von meinem Home Office, auch vor Corona bereits. Wir sind seit unserer Gründung 2007 ein komplett remotes Team. Ich pendele zwischen Kopenhagen und Hamburg, meine Partner sitzen in Schweden, Dänemark, UK und Deutschland. Viele auch im Home Office, andere in ihren eigenen Büros oder Coworking Spaces. Manchmal auch Cafés ;-)

 

Was hilft dir dabei, fokussiert zu bleiben?  

Sich ein klares Ziel zu setzen, sich gut zu organisieren und kleine Rituale in den Tag einbauen. Wenn gar nichts mehr geht, eine Session mit meinem neuen Neurostimulation Headset machen. Das ist in der Lage, meine kognitiven Funktionen im Gehirn zu aktivieren, so dass ich mich z.B. wieder besser auf eine Sache konzentrieren kann. 

 

Woher nimmst du deine Kreativität? 

Viel brainstormen, Ideen spinnen, mit Freunden diskutieren, prototypen und testen. Verschiedene Arbeitsumgebungen, Reisen nach Kopenhagen und Stockholm, sich austauschen mit Menschen in anderen Umfeldern, anderen Städten oder gar Ländern, anderen Unternehmen. Spontane Virtual Coffee Chats mit Menschen, die ich zuvor gar nicht kannte. Und natürlich viel lesen, online und offline. 

 

Hast du einen Buch- Podcast- oder Blogtipp für uns?  

Ich bin ein großer Fan des „Jake & Jonathan“ Podcasts. Die beiden sind einfach super authentisch, auch wenn das eigentliche Thema, Produktdesign, oft nur am Rande eine Rolle spielt. Ansonsten natürlich unseren eigenen Podcast, „dorris meets", in dem mein schwedischer Partner Pär und ich darüber reden, woran wir gerade arbeiten, wir geben einen Sneak Peak in unsere Tools und Methoden, verraten auch ein paar Geheimnisse. Es geht hauptsächlich um Innovation, Design und die Zukunft der Arbeit.

 

Welche Tools nutzt du zurzeit am liebsten, um mit deinem Team in Kontakt zu bleiben?

Ich glaube, an Slack kommt man nicht mehr vorbei und ich ziehe Slack vielen Wettbewerbern eindeutig vor. Ansonsten Whereby und Zoom, um meine Kollegen beim Quatschen auch zu sehen und natürlich für unsere Workshops, die wir aktuell meistens remote machen. Dann bin ich ein großer Fan von Miro, einem Online Whiteboard, mit Hilfe dessen wir gemeinsam brainstormen und kreativ werden können. 

 

Wie glaubst du wirkt sich die derzeitige Pandemie auf die Arbeitswelt aus? 

Mal abgesehen von allem, was nicht so positiv an COVID-19 ist, versuche ich das Positive zu sehen. Und das ist ganz klar die neue Freiheit, die Mitarbeitern unweigerlich in der Post-Corona Phase endlich zugestanden wird. Ich habe die letzten Jahre immer wieder versucht, Unternehmen und Agenturen darin zu bestärken, ihren Mitarbeitern freizustellen, von wo sie arbeiten. Da habe ich oft auf Granit gebissen. Jetzt wurden plötzlich alle ins kalte Wasser geworfen und ich finde es großartig, wenn ich plötzlich Dinge höre wie „Es ist unglaublich, wie viel ich plötzlich geschafft bekomme“ oder „Endlich habe ich mal die notwendige Ruhe, diese Präsentation fertigzustellen“ und „Ich werde künftig nicht mehr jeden Tag im Office sein.". Ich glaube auch, dass die Pandemie gezeigt hat, dass es notwendig ist, Meetings und Workshops effizienter zu gestalten und sich nur dann zu treffen, wenn es wirklich Sinn macht und es eine klare Zielsetzung gibt. 

Ich wünsche mir, dass wir die neue Kreativität, die wir gewonnen haben, diesen „Beginner’s Mindset“, das Ausprobieren neuer Tools und Prozesse, dass wir das beibehalten. Dass wir künftig auch immer wieder hinterfragen, ob unser Vorgehen eigentlich noch Sinn macht, oder ob wir etwas daran ändern sollten.   

 

Wie sieht der Arbeitsplatz der Zukunft aus? 

Viel flexibler als vor Corona. Wir werden nicht mehr ortsgebunden sein. Wir werden vielleicht unterschiedliche Zeiten haben, an denen wir arbeiten und zwischendurch Sport machen oder eine Runde spazieren gehen, weil wir gemerkt haben, wie gut uns das tut. Ich glaube auch, dass wir lernen müssen, Teams zu führen, die wir nicht täglich im Office sehen. Dass wir weiterhin online Workshops und Meetings abhalten, weil wir nicht mehr unbedingt überall hinfliegen wollen. Dass wir plötzlich aber auch Zugriff haben auf Mitarbeiter und deren Know-How haben, die an anderen Orten in der Welt sitzen und an unseren Projekten teilnehmen können, weil wir endlich die notwendige Infrastruktur haben. 

Da ist jede Menge Potential, das durch die Pandemie ganz plötzlich freigelegt wurde. Irgendwie wurde Arbeit endlich disrupted, um diesen etwas abgegriffenen Begriff zu benutzen. Und das bietet viele Möglichkeiten für offenes, neues Denken und Austesten neuer Wege. 

 

Wenn du die Möglichkeit hättest, das nächste große Cover einer weltweit aufgelegten Zeitschrift zu entwerfen, was würdest du drauf machen?

Fleisch