Sebastian Herzog ist Partner bei hy, der Technologie- und Transformationsberatung von Axel Springer in Berlin. Er bringt Start-up-Szene und Konzernwelt zusammen, ist selbst Gründer und hat bereits während seiner Zeit bei der Lufthansa mit dem "Lufthansa Innovation Hub" erfolgreich eine Brücke zwichen großem Unternehmen und agiler Start-up-Struktur geschaffen.

Wie trinkst du deinen Kaffee?

Das kommt darauf an…. Morgens als Filterkaffee, im Büro als Espresso-Shot, am Wochenende als Milchkaffee mit altem Herdkocher.

 

Was ist ein Thema, dass dich gerade besonders fasziniert?

Mich fasziniert aktuell die Frage, ob Menschen über ein klar definiertes “Ich” verfügen, ob es so etwas wie eine “Seele” gibt und was passieren würde, wenn die Menschheit irgendwann den Tod besiegen würde. Die Beschäftigung mit dieser Frage ist stark geprägt durch die beiden Bücher, die ich gerade parallel lese bzw. höre: “Homo Deus” von Yuval Noah Harari und “Reboot” von Jerry Colonna.

 

Wo setzt du noch auf analoge Technik?

Bei meinen eigenen Notizen, to-do´s und Gedanken setze ich zu 100 % auf digitale Werkzeuge. Der “Familien-Wochenplan” für meine zwei Söhne, meine Frau und mich bei uns in der Küche ist jedoch klassisch mit Kreide auf die Wand gemalt.

 

Was glaubst du braucht es, um Innovation zu inspirieren?

Für die Umsetzung von neuen Ideen benötigt es die “richtige Kombination” aus Unternehmertum, Industrie-Expertise und Tech-Kompetenz. Die letzten beiden kann man outsourcen, wahres Unternehmertum hingegen kann man nur stimulieren. Auf den Punkt gebracht: Mindset ist wichtiger als Skillset.

 

Wie bringt man etablierte Unternehmen dazu, sich neuen Möglichkeiten zu öffnen und aus alten Strukturen auszubrechen? Ist das ein Kultur-Thema?

Ja! So wie ich eben davon gesprochen habe, dass Mindset wichtiger als Skillset ist. So stimme ich dem Spruch “Culture eats strategy for breakfast” ebenfalls voll zu. Unternehmen müssen sich “oben” öffnen. Erst wenn der/die CEO über die bisherigen Unternehmensgrenzen hinaus schaut, Silos einreißt, wirklich nahbar und partnerschaftlich agiert, erst dann wird der Rest folgen. Das soll nicht heißen, dass es keine “Revolution von unten” geben kann. Das sollte es unbedingt. Aber wenn sich der Kopf nicht bewegt, dann bewegt sich auch der restliche Unternehmenskörper nicht.

 

Was findest du an deinem Job am spannendsten?

Ich empfinde es sehr bereichernd den ganzen Tag mit extrem smarten Personen bei uns im Team und auf Kundenseite so viel Zeit verbringen zu dürfen. Gleichzeitig motiviert es mich ungemein eine junge Firma mit aufzubauen und alle Chancen und Herausforderungen rund um NewWork, RemoteWork, etc. selbst gestalten zu können.

 

Welche Erwartungen sollte man nicht haben, wenn man eine Innovationseinheit in seinem Unternehmen etablieren möchte? Und worauf kommt es wirklich an?

Man sollte nicht erwarten, dass ein paar “junge Wilde in Berlin” das Unternehmen verändern. Gleichzeitig sollte man nicht unterschätzen, wie sehr ein paar “junge Wilde in Berlin” das Unternehmen verändern können. Es kommt einzig und allein auf das Level der Ernsthaftigkeit an, mit der Unternehmen solche Einheiten ins Leben rufen. Und dies hängt in fast allen Fällen von der Haltung des/der CEO zum Thema ab.

 

Welche Trends siehst du gerade, die man auf keinen Fall verpassen sollte?

Man sollte sich selbst aktuell nicht verpassen. Im Ernst: Achtsamkeit war nie wichtiger als heute, wenn man in einem high-performance Umfeld arbeitet und theoretisch 24 Stunden am Tag von Video-Call zu Video-Call springen könnte. Hierbei nicht den Zugang zu sich selbst zu verlieren, eine neue Balance zu finden und als Mensch in Summe glücklich zu werden. Das sollte man nicht verpassen.

 

Wenn du die Möglichkeit hättest, das nächste große Cover einer weltweit aufgelegten Zeitschrift zu entwerfen, was würdest du drauf machen?

Ich würde “EDUCATE OR DIE” in Großbuchstaben auf das Cover schreiben und die ganze Ausgabe dem Thema Bildung widmen. Der Spruch ist angelehnt an das Innovationsmantra “Innovate or Die”. Jedoch ist Bildung der Ursprung von allem. Wenn wir als Gesellschaft es nicht schaffen die nächste Generation weltweit mit Zugang zu Wissen, Kreativität und allem was Bildung noch ausmacht zu versorgen, dann werden alle wirtschaftlichen Überlegungen obsolet. Und so lange ich das weltweite Cover nicht gestalten kann, werde ich weiterhin für Bildungsprojekte spenden, mich bei Aktionen wie dem #wirfuerschule Hackathon engagieren und versuchen meinen eigenen Kindern ein gutes Vorbild und Inspiration zu sein.