Das schwedische Start-up Kry gehört zu den Unternehmern, die aus der Krise als Gewinner hervorgehen. Wir werfen einen Blick auf den Anbieter von ärztlichen Videosprechstunden und checken, wie Kry unsere medizinische Grundversorgung revolutionieren könnte.

Die Krankschreibungen am Telefon während der Pandemie waren ein erster Schritt. Standard-Videosprechstunden werden der zweite sein. Denn es gibt doch nichts Schlimmeres, als sich aus dem Bett zu quälen, wenn man krank ist. Kry arbeitet daran, diese Vision auch in Deutschland wahr zu machen. Mithilfe der App können Patienten eine Videosprechstunde mit einem Arzt ausmachen. Dieser kann dann nicht nur eine Diagnose, sondern auch ein Rezept oder eine Krankschreibung ausstellen. „Der digitale Arztbesuch ermöglicht eine Beratung zu zahlreichen unterschiedlichen Erkrankungen, wenn eine physische Untersuchung nicht erforderlich ist: Typische Beschwerden sind Erkältungssymptome, Allergien, aber auch Hauterkrankungen und chronische Krankheitsbilder“, erklärt Dr. Daniel Schneider, General Manager von Kry.

 

Flexibel und ohne Ansteckungsrisiko

Diese Art der räumlich entfernten Behandlung – auch Telemedizin genannt – kann eine physische Untersuchung nicht in allen Fällen ersetzen, ist aber in vielen Fällen eine Alternative zum Arzt­besuch vor Ort. Denn sie bietet einige Vorteile: „Während wir das medizinische Niveau einer Vor-Ort-Behandlung sicherstellen, ergeben sich durch die digitale Behandlung zahlreiche Vorteile: Patienten, die Videosprechstunden vereinbaren, warten zumeist nur eine Viertelstunde auf einen Termin, nicht Stunden oder Tage. Zudem entfällt der Weg zur Praxis und das Ausharren in vollen Wartezimmern mit entsprechend höherem Infektionsrisiko“, sagt Schneider. Vor allem die Flexibilität dieser Art der Untersuchung sei ein deutlicher Pluspunkt: „Menschen im ländlichen Raum müssen seltener für Arzt-Konsultationen erhebliche Strecken zurücklegen. Telemedizin ermöglicht zudem eine flexible Verteilung von Verfügbarkeiten, wodurch sie sowohl Patienten als auch Ärzten den Alltag vereinfacht. Indem eine Erstdiagnose via App erfolgt, bekommen Patienten schneller Antworten auf ihre Fragen und eine Weiterleitung zum richtigen Facharzt. Patienten, die am Wochenende Rat in den Notaufnahmen der Krankenhäuser suchen, können diesen schneller über ihr Mobiltelefon einholen. Unsere Erfahrung zeigt, dass besonders Familien das Angebot der Videosprechstunden sehr dankbar annehmen. Die flexible Terminfindung ist in dem häufig stressigen Alltag der Eltern ein großer Pluspunkt für Videosprechstunden.“

 

Gewinner der Krise?

Die Pandemie trieb die Digitalisierung in vielen Branchen voran, die Gesundheitsbranche bildet insofern keine Ausnahme. Auch die Hemmschwelle für E-Health-Angebote wie das von Kry ist deutlich gesunken: Laut einer Studie von Bitkom kann sich mittlerweile fast die Hälfte aller Befragten eine Nutzung von Videosprechstunden vorstellen. Daniel Schneider sieht Kry deshalb zwar als „Gewinner“ der Krise, weist aber trotzdem auf das große ungenutzte Potential hin, das eine weitere Digitalisierung des Gesundheitssystems ausschöpfen könnte: „Die Corona-Pandemie hat Patienten und Ärzten definitiv die Vorteile von Videosprechstunden aufgezeigt. Dennoch: Bislang wurden die Vorteile von Telemedizin in Gänze noch nicht ausgeschöpft. In Deutschland steht die Digitalisierung des Gesundheitswesens noch am Anfang, da zentrale Elemente noch nicht geregelt sind – zum Beispiel das E-Rezept und die Verschreibung von Gesundheits-Apps. Für den Patienten kann hier noch vieles verbessert werden, um eine hürdenlose Nutzung von digitalen Gesundheitsleistungen zu ermöglichen.“

 

Zugang zu unkomplizierter und schneller ärztlicher Behandlung

Den Arztbesuch vor Ort ersetzen will Kry aber nicht. Das Ziel ist eher ein Zusammenspiel von physischer und digitalisierter Behandlung: „Die Praxis vor Ort wird aus unserer Sicht weiterhin eine zentrale Bedeutung behalten. Wir sind uns aber sicher, dass sich telemedizinische Beratungsleistungen in wenigen Jahren als ein selbstverständlicher Baustein des ärztlichen Portfolios etablieren werden.“