Kaffee-To-Go Becher, Bierflaschen, aber vor allem: Verpackungen von Lieferdiensten. Dieser Müll ist seit dem Beginn der Corona-Pandemie nicht wie erhofft weniger geworden, sondern hat massiv zugenommen. Die Stadt Nürnberg schlug bereits Alarm, weil sich vor allem auf den Grünanlagen der Müll sammelt: "Pizzakartons sind zu einem Symbol für den Anstieg beim Müllaufkommen in der Corona-Zeit geworden“ so Nürnbergs Stadtsprecherin Ulrike Goeken-Haidl gegenüber dem BR. Doch es gibt nachhaltige Alternativen, das zeigen diese innovative Startups.

Auch in Augsburg, Deggendorf und Regensburg seien laut BR die Mengen an Verpackungsabfall stark gewachsen. Deutschlandweit landen laut dem Recyclingunternehmen „Der Grüne Punkt“ seit Beginn der Pandemie etwa zehn Prozent mehr Verpackungsabfälle im Müll als zuvor. Während die gewerbliche Müllproduktion während der Krise abgenommen hat, steigt sie im privaten Bereich. Was also tun? Die Stadt Nürnberg fordert eine Pfandpflicht auf Pizzakartons, aber es gibt auch andere Möglichkeiten. 

 

Plastikbox statt Einwegkarton 

So hat ein Startup aus Nordrhein-Westfalen einen Mehrweg-Karton entwickelt, der wiederverwendbar sein soll. Hendrik Single gründet mit „Pizza-Bow“ ein Unternehmen, dass dem Müll des Lieferessens entgegenwirken soll. Seine Kartons aus Hartplastik sollen die herkömmlichen Pizza-Kartons ersetzen, indem sie mehrfach verwendet werden: Der Kunde nimmt bei der Lieferung seine Pizza auf einem Papp-Deckel aus der Plastik-Box. Die Box kann dann vom Lieferanten wieder mitgenommen, gereinigt und mit neuen Pappeinlegern und Pizzen ausgestattet werden. In einer Box können so auch mehrere Pizzen transportiert werden. Hartplastik ist zwar kein umweltfreundlicher Rohstoff, doch durch die Mehrfachverwendung kann Müll vermieden und somit die Umwelt geschont werden. 

 

Recup jetzt auch mit Schüsseln am Start 

Auch das Münchner Unternehmen Recup, dass mit seinen Mehrweg-Kaffeebechern bereits den Durchbruch geschafft hat wirft ein Auge auf die nachhaltige Verbesserung von Takeaway und Lieferessen. Mit Rebowl soll jetzt das System der Kaffeebecher auch auf Schüsseln übertragen werden: Für 5€ Pfand bekommt man in teilnehmenden Geschäften eine wiederverwendbare Rebowl statt einer Einweg-Verpackung für das mitgenommene Essen. Die Schale besteht aus Polypropylen und der Deckel aus thermoplastischen Elastomeren, was die Bowls bruchsicher und recyclebar macht. 

 

Der Rivale: Bowls von Vytal 

Als Rivale tritt das junge Startup Vytal auf: Auch sie wollen ein Mehrwegsystem Take-Away, Delivery und Convenience Food etablieren. Hier funktioniert das Modell aber per App: Nach dem Download und der kostenlose Registrierung in der Vytal App, muss der Kunde im Laden nur einen QR Code vorzeigen, um sich eine Bowl auszuleihen. Die Rückgabe kann dann bei jedem Partner oder in speziellen Rückgabeboxen erfolgen. Dort werden die Schüsseln gesäubert und sind bereit für die nächste Benutzung. Anders als bei Rebowl müssen Nutzer kein Pfand für die Schüsseln zahlen: Solange sie innerhalb von 14 Tagen abgegeben werden, bleibt die Nutzung kostenlos. Nach Ablauf der zwei Wochen gilt die Schüssel allerdings als gekauft und 10€ werden fällig. Für Anbieter ist das System etwas teurer als Einweg, laut Informationen des Handelsblatt fallen etwa 300 Euro für 500 Nutzungen an. Die Gründer sind dennoch optimistisch, dass der Umweltschutzfaktor viele zum Mitmachen animiert. Derzeit sind nach Informationen von Business Insider 10.000 der Schüsseln in sechs Städten im Umlauf, zu den Partnern der Unternehmens gehören unter anderem das Bundesumweltministerium und RTL. Auch bei REWE werden die Schüsseln seit September in ausgewählten Märkten getestet. Heute um 20:15 wollen sich die Gründer mit ihrer Idee auch in der Höhle der Löwen vorstellen, ihr Kapitalbedarf liegt bei 450.000 Euro. Dafür bieten sie 10 Prozent ihrer Anteile. 

 

Trendkurve vs. Hygienemaßnahmen 

Der Trend zu Lieferessen ist seit dem Beginn der Pandemie deutlich gestiegen, was eine vielversprechende Zukunft für nachhaltige Verpackungs-Startups zu versprechen scheint. Gleichzeitig wurden aber aus Gründen der Hygiene viele nachhaltige To-Go Systeme aus den Läden verbannt: Bei Starbucks werden seit März keine Getränke mehr in mitgebrachte Becher gefüllt und auch viele Bäckereien geben nur noch Pappbecher an die Kunden aus. Wie viel Platz auf dem Markt für nachhaltige Systeme wirklich ist und wer sich schlussendlich durchsetzt wird sich zeigen. Vytal zeigt sich optimistisch, ihre Mission sei es, „dass Mehrweg so einfach und selbstverständlich wird wie Einweg. Nur besser.“