Daniel und Denis Gibisch sind die Gründerbrüder des Start-ups Little Lunch. Die beiden Augsburger hofften 2015 noch bei „Die Höhle der Löwen“ auf einen Deal, heute halten sie Reden auf dem Rocketeer Festival. Wie die beiden es schaffen, trotz des Erfolgs cool, bodenständig und authentisch zu bleiben.

Wie wuselnde Ameisen sehen sie von oben aus, die geschäftigen Menschen auf der Straße. Den Kopf gesenkt hasten sie durch die Innenstädte. Sie sind auf der Suche nach einem kleinen Essen, einem Lunch, während der gesetzlich vorgeschriebenen Mittagspause. Weil es schnell gehen muss, fällt die Wahl oft auf ungesundes, billiges Essen.

Dieses Dilemma hat die Brüder Daniel und Denis Gibisch inspiriert. Seit 2014 produzieren sie mit ihrem Start-up Suppen. Im ersten Moment mag das etwas unsexy klingen, doch die Brüder haben mit Little Lunch den Nerv der Zeit getroffen. Ein kleines Mittagessen für alle, die wenig Zeit haben und dennoch Wert auf eine ausgewogene Ernährung legen. Sie seien selber von der „Leberkäsfraktion“, gesteht Denis, aber immer könne er die auch nicht essen. Also haben die Gibisch-Brüder Gerichte entwickelt, die so authentisch und bodenständig sind wie sie selbst. Die Fertigsuppen müssen nicht gekühlt werden und sind bis zu zwei Jahre haltbar. Die bio-zertifizierten Zutaten werden nachhaltig angebaut.

 

„Die Höhle der Löwen“ ist kein Erfolgsgarant

Bekannt wurde Little Lunch 2015 durch die Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“. Das Format war die Lösung, als sich die Brüder fragten „Wie können wir kostenlos Marketing machen?“, denn bereits die Produktion ihrer Waren hatte das Budget verschlungen. Ihr Plan ging auf, bundesweit lernte man das Start-up kennen. Zur Krönung ihres Auftrittes schlossen die Geschwister den Deal und bekamen so die Unterstützung zweier Investoren. „Trotzdem ist die Show kein Erfolgsgarant für jeden“, warnt Denis, „es gibt halt dadurch einen kleinen Uplift, aber den musst du dann auch halten und vor allen Dingen hochhalten.“ Einen Alternativplan hatten die Berufsoptimisten nicht. „Man muss einen Plan A haben, den man fokussiert verfolgt“, erklärt Denis. „Wenn es nicht funktioniert hätte, säßen wir jetzt wohl pleite auf Mallorca“, verrät Daniel mit einem Augenzwinkern.

 

Regelmäßiger Live-Verkauf auf HSE24

Judith Williams war es, die das Potenzial von Little Lunch erkannt hatte. Die Investorin unterstützt sie auch heute noch. Manchmal stehen sie gemeinsam vor der Kamera, um ihre Produkte live auf HSE24 anzupreisen. Bei ihrem ersten Tagesdeal verkauften die Brüder dort 20 Tonnen Gemüsebrühe, mittlerweile sind sie alle zwei Wochen live auf dem Home-Shopping-Kanal zu sehen. Der Versuch diese Aufgabe einem Experten anzuvertrauen scheiterte, denn „wir haben gemerkt, dass halt wir die Suppe verkörpern“, erinnert sich Denis.

Mit ihren hochwertigen Produkten gelang es den beiden in einen von etablierten Traditionsmarken dominierten Markt vorzudringen. Nicht nur deutschlandweit, sondern auch in Österreich und der Schweiz. Als Nächstes möchten sie den niederländischen Markt erobern, verrät das Gründerduo. Dafür haben sie neue Produkte entwickelt, gestartet wird mit landestypischen Suppen.

Neue Produkte durchlaufen einige Testrunden, bei denen Faktoren wie Geschmack, Textur, Aussehen oder Mundverhalten bewertet werden. Nur Produkte, die mindestens 5 von 6 Punkten erhalten, gelten als zufriedenstellend marktreif. Außerdem werden industrielle Tests durchgeführt, schließlich darf keine der Suppen sich in ihrer zweijährigen Haltbarkeitsdauer verändern.

Die klassischen Gerichte seien die Topseller, erläutert Denis. Natürlich gäbe es auch exotischere Kreationen, aber das sei ein Zusatzangebot für Leute, die mal ein bisschen was anderes wollen. Die experimentierfreudigen Brüder möchten bald ausgefallenere Zutaten wie Insektenprotein verwenden. Diese speziellen Suppen würden dann in Kleinauflagen produziert und sorgten für Aufmerksamkeit. „Da reden dann die Leute drüber und wundern sich, was die wieder Witziges machen“, schildert Daniel.

Neben dem Suppengeschäft möchten sie auch ihr Produktportfolio erweitern: Bald werden die „Lieblingssaucen“ auf den Markt kommen, verrät Denis. Das Angebot von Produkten wie Bolognesesoße werde das Unternehmen um das Doppelte wachsen lassen.

Einer der Unterschiede zu weniger erfolgreichen Start-ups wird hier deutlich: Little Lunch hat sich zuerst auf einem bekannten Markt gefestigt und durch bodenständige Produkte die Marke etabliert. Erst jetzt weiten sie das Sortiment aus und nehmen sich das Ausland vor. „Wir wollen’s eben richtig machen“, sagt Denis. Seit ihrer Gründung haben die beiden bei vielem gelernt, wie man es richtig macht. „Wir dachten, wir schaffen es mit Bootstrapping, also aus eigener Kraft“, erinnert sich Denis. Schnell wurde ihnen bewusst, dass es so nicht funktioniert.

 

Ratgeber für neue Gründer und junge Start-ups

Von dieser und allen anderen Erkenntnissen der Brüder können Gründer heute profitieren. „Alle, die uns fragen“, berichtet Daniel, „denen helfen wir auch.“ Sie selbst waren am Anfang ihrer Karriere auf sich alleine gestellt, statt Ratschläge zu geben behielten viele Unternehmer ihre Geheimnisse für sich. Die Gibisch-Brüder hingegen sind zu Vorbildern für junge Gründer geworden. „Wenn man was gibt, dann bekommt man was zurück“, betont Denis und Daniel stimmt ihm zu: „Wir haben genug ins Karma eingezahlt, um wieder genug rauszukriegen. Aber ich glaub, es ist bald wieder verbraucht. So viel Glück kann man nicht nochmal haben.“ Ein zweites Mal, sind beide überzeugt, würde ihre Idee nicht funktionieren. Könnte er in der Zeit reisen, würde Denis mit den Worten „Mach’s nicht, bleib bei deinem Job“ sich selbst von der Gründung abraten. Vermutlich auch, weil sie heute ein Gründungsbudget von einer Million Euro empfehlen, branchenunabhängig. Das soll Erfahrungen wie ihr Marketing-Problem am Anfang von Little Lunch vermeiden.

Heute überblicken die Gründer ein kleines Imperium, das sie durch viel Glück und Karma, aber auch durch harte Arbeit geschaffen haben. Seit der Gründung habe sich in ihrem Leben aber nicht viel geändert, Denis wohnt sogar noch in derselben Wohnung wie damals. Der große Mehrwert ihrer heutigen Position sei es, das Leben insgesamt mehr genießen zu können. Auffällig ist tatsächlich, wie normal und cool die beiden, trotz ihres Erfolges, geblieben sind. Sie versuchen, alles locker und trotzdem professionell zu sehen, erläutert Daniel.

 

Authentisch, ehrlich, nett – wie die Gründer, so die Suppen

Auch in ihrer Beziehung als Geschwister agieren sie auf einem professionellen Level: Sie haben zwar ein gemeinsames Büro, doch die Zuständigkeitsbereiche sind klar getrennt. Große Entscheidungen treffen sie dennoch zusammen und auch wenn sie sich mal kurz, und heftig, streiten, gibt es in ihrer Beziehung keinen Platz zum Beleidigt-Sein. Außerdem hielten sie sich gegenseitig am Boden, erzählt Denis. Schließlich möchten sie, passend zu ihren Produkten „authentisch bleiben, ehrlich und nett“.

Trotz des ganzen Herzbluts, das in Little Lunch steckt, versuchen die Gründer eine gewisse Distanz dazu zu wahren. „Wenn man die Verantwortung zu sehr an sich ranlassen würde, dann würde man wahrscheinlich daran zerbrechen.“

Mit Verantwortung meint der 36-Jährige die mittlerweile 28 Mitarbeiter, die Little Lunch beschäftigt. Im Verhältnis zu ihren Konkurrenten sind sie zwar ein relativ kleines Team, die Brüder sehen das jedoch als Vorteil, denn so kann Little Lunch schneller reagieren als die Riesen der Branche. Wenn es dringend ist, könnten Produkte innerhalb von drei Monaten marktfertig sein, während große Konzerne dazu zwei Jahre bräuchten. Im Schnitt verkaufen sie heute bis zu einer Million Suppen im Monat.

 

Augsburg ist der optimale Standort für Start-ups

Sich selbst sehen die beiden in der Unternehmensstruktur als die verrückten, kreativen Treiber im Hintergrund. „Die Leute anzuschieben und zu pushen ist ja das, was der Gründer macht“, erläutert Daniel. Außerdem sind die beiden viel unterwegs, in Köln, ­Berlin, bei Kunden und Investoren. Trotzdem ist ihr Unternehmen immer noch in Augsburg zuhause. In einer anderen Stadt, wie Berlin, wären sie vermutlich untergegangen. In Augsburg hingegen sind sie „schon quasi Z-Promis“. „Das Einzige, das hier schlechter ist, ist das Netzwerk“, denn in Städten wie München und Berlin gäbe es mehr Veranstaltungen, bei denen Start-ups sich austauschen können. Durch Events wie das Rocketeer Festival wird nun auch in Augsburg eine Plattform zum Austausch von jungen Gründern geschaffen – „zum Glück“, wie die Jungs von Little Lunch finden.