Die aufsehenerregendste Story war wohl eine Gruppe Jugendlicher, die menschliche Überreste entdeckte. Doch die App Randonautica führte auch zu vergleichsweise banaleren Begegnungen: Ein freundlicher Hund in der Wüste, verlassene Holzhütten im Wald, eine Lichtung voller Wildblumen. Was genau steckt hinter dieser App, die vor allem auf TikTok so viral ging?

 

Das Konzept ist relativ simpel: Lädt man sich die App herunter muss man seinen Standort angeben und einen Radius festlegen, dann bekommt man mittels zufallsgenerierte Koordinaten einen Ort angezeigt - Und dann kann das Abenteuer auch schon los gehen. Man soll sich eine Intention klar machen und dann zu Fuß oder mit dem Rad den festgelegten Ort erkunden. „Die Nutzer finden oft etwas, das mit der Intention – also das, woran sie beim Erstellen der Koordinaten gedacht haben - übereinstimmt“ heißt es auf der offiziellen Website. „Aber selbst wenn das nicht passiert, ist es eine Möglichkeit seine eigene Umgebung achtsam zu erkunden!“. Eine schöne Idee, um sein Umfeld mit neuen Augen zu sehen und ein Mini-Abenteuer zu erleben. Doch besonders aufregend klingt das tatsächlich nicht. Wie schaffte es also eine App, die im Prinzip nichts tut außer Zufallskoordinaten zu berechnen, derart erfolgreich zu werden? Mit über 13 Millionen Downloads ist sie lange Zeit auf Platz eins in den Downloadcharts bei Apple und Android, der Hashtag #randonautica sammelte bereits mehr als 400 Millionen Views auf verschiedensten Social Media Plattformen - Tendenz steigend.

 

Eine kurze Entstehungsgeschichte 

Ein Faktor war wohl die bereits existierende Community an „Randonauten“, die sich hauptsächlich auf Reddit sammelte. Ein Bot diente vor der Randonautica-App als Koordinaten-Werkzeug und die User tauschten sich über Abenteuer aus, die sie so erlebten. Der Bot basierte auf dem Code des sogenannten „Fatum Project“, dass sich unter anderem damit beschäftigte, ob zufällige Ereignisse durch gedankliche Intention beeinflusst werden können. Es ist diese fast schon spirituelle Seite des Projekts, die viele Leute anzog. „Meine Intention war etwas zu finden, das mit meiner besten Freundin, die Suizid begangen hat, zu tun hat“ schreibt ein Reddit-User zu seiner Randonutica-Erfahrung „Ich habe einen Raben gesehen, der eine Feder verloren hat. Ihr Lieblingstier“. Solche Erfahrungsberichte gibt es viele – Menschen, die über ein besonderes Graffiti, ein passendes Schild oder ungewöhnliche Natur stolpern. Und sie machen Lust darauf, es auch einmal auszuprobieren: Ein kleines Abenteuer auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen im eigenen Alltag.

 

Grusel als Formel zum Erfolg 

Den Ausbruch aus der substantiellen aber doch vergleichsweise eingeschränkten Reddit-Nische schaffte die App schließlich über TikTok. Vor allem in Zeiten von Lockdown und Reisebeschränkungen bot Randonautica eine willkommene Abwechslung. Und als die ersten TikTok-Nutzer Clips hochluden, bei denen sie an den angegebenen Koordinaten bemerkenswerte – meistens gruselige –  Locations entdeckten, war der Hype geboren. Wenn man den Hashtag #randonautica auf TikTok durchforstet scheint es tatsächlich so, als würde die von den Machern der App aufgestellte Hypothese, dass „das Bewusstsein die Verteilung zufälliger Nummern beeinflussen kann“ der Wahrheit entsprechen. Vor allem der echte Leichenfund einer Gruppe Randonauten, der weltweit Schlagzeilen machte, festigte auch auf TikTok den Ruf der App als unheimlich und eventuell übernatürlich. 

 

Unerklärlich oder eine Frage der Wahrscheinlichkeit? 

Auf ihrer Website beschreibt sich Randonautica als „das erste quantengenerierte ‚Choose Your Own Adventure“-Spiel der Welt“. Ob die App wirklich so spannend ist, wie der Ruf der ihr vorauseilt es impliziert, muss jeder für sich selbst entscheiden. Schließlich steigt durch die hohen Nutzerzahlen die Chance, dass jemand etwas tatsächlich interessantes findet - ob das jedoch die Norm ist, ist fraglich. Auch welche Stories Fake sind, ist schwierig festzustellen. Die Ausbreitung auf Social Media zeigt jedoch zumindest, wie sehr ein Hype sich selbst befeuern kann. Wer jetzt neugierig ist, ob auch er seine Umgebung mit seinem Bewusstsein beeinflussen kann, der kann Randonautica ganz einfach downloaden, die App ist kostenlos.