Die Logistikbranche kämpft mit einigen Vorurteilen: Verstaubt, dreckig und so träge wie die LKWs auf der rechten Spur schleicht sie dahin. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das sieht man bei einem Blick hinter die Kulissen der Andreas Schmid Group in Gersthofen.

Gäbe es im Digitalministerium eine Vitrine, in der alle Branchen symbolisch ausgestellt würden, dann würde der kleine LKW, der für die Logistik steht, wohl in einer der unteren Regalreihen zu finden sein. Vielleicht sogar in der zweiten Reihe. Quasi unsichtbar. Er hätte eine dicke Staubschicht auf dem Führerhaus. Symbolisch für das, was sich in der Branche tut. Auf den ersten Blick eigentlich gar nichts.

Von wegen. Zeit, mal mit den Vorurteilen aufzuräumen! Denn die Branche arbeitet durchaus an grünen Lösungen, an digitalen Effizienzverbesserungen und an alternativen Zustellungsmethoden. Nur sieht man das eben nicht, wenn man hinter einem LKW im Stau steht.

Ein Logistiker, der in Sachen Innovationen ganz vorne mit dabei ist, ist die Andreas Schmid Group mit Sitz in Gersthofen. Seit 1928 in der Logistik tätig „und daher schon von Alters wegen traditionell“, wie Alessandro Cacciola, Vorstandsvorsitzender der Andreas Schmid AG, mit einem Augenzwinkern erklärt. „Aber das heißt für uns: perfektionistisch, vertrauenswürdig und verlässlich, aber keinesfalls eingestaubt“, wie er betont. Klar sei auch bei Andreas Schmid Kerngeschäft all die Waren, die wir täglich brauchen, die wir im Internet bestellen und die unsere Unternehmen zum Produzieren brauchen, von A nach B zu bringen. „Aber wir von Andreas Schmid fragen uns: Wie geht’s weiter? Wie transportieren wir morgen und übermorgen? Wie können wir den Mehrwert für unsere Kunden steigern und neue Geschäftsfelder erschließen?“

Green Logistics für saubere Luft in den Städten

„Green Logistics spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle“, betont Alessandro Cacciola. „Besonders die berühmte ‚letzte Meile‘ haben wir verstärkt in den Fokus genommen.“ Damit reagiere Andreas Schmid auf die ständige Überlastung der Straßen in der Innenstadt und den wachsenden E-Commerce-Anteil in der Logistik. Eine Lösung: E-Lastenräder. Sie werden mit zwei Hochleistungsakkus betrieben, die eine Nutzlast von bis zu 180 Kilogramm zulassen. Die Ware wird morgens an einem zentrumsnahen Punkt angeliefert, dem sogenannten Micro-Hub. Von dort aus geht es mit den E-Lastenrädern zur Zustellung in der Innenstadt – und das CO2-frei. Sie könnten künftig LKWs aus den Innenstädten zumindest teilweise vertreiben und einen wesentlichen Beitrag zur Luftreinhaltung in den Städten leisten.

Dronen, IOT und KI erobern die Logistik

Eine weitere mögliche Lösung, an der Andreas Schmid tüftelt: Drohnen. „Das Thema Drohnen und deren Einsatz im Transport- und Logistikbereich hat in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen“, weiß Alessandro Cacciola. Auch Andreas Schmid beleuchte genau die Potenziale, die diese Transportmittel für spezielle Anwendungsfälle mit sich bringen. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, noch sehr viel stärker in das Thema einzusteigen und denken darüber nach, der Drohnen-Technologie einen festen Platz im Leistungsangebot einzuräumen.“ Neben dem Einsatz von Drohnen beschäftigt sich das Unternehmen auch mit Technologien zur Automatisierung entlang der logistischen Prozesskette. Dabei geht es beispielsweise um den Einsatz von IOT-Technologien sowie autonomes Be- und Entladen.

Digital Workplace: Die Zukunft der Arbeit

Doch nicht nur im Transportgeschäft, auch in den Büroräumen von Andreas Schmid verändert die Digitalisierung das Zusammenarbeiten, Stichwort „Digital Workplace“: „Wir haben innerhalb des Unternehmens verschiedene Digitalisierungsinitiativen gestartet, die mit Hochdruck vorangetrieben werden“, erklärt Alessandro Cacciola. Dazu gehören beispielsweise Softwaretechnologien, die kollaboratives Arbeiten ermöglichen. Außerdem werden die Besprechungsräume mit Videotelefonie- und Kamerasystemen ausgestattet, welche die Kommunikation standortübergreifend erleichtern. Ein wichtiger Baustein in der Internationalisierungsstrategie des Unternehmens. Denn derzeit werden Markteintrittsstrategien für verschiedene Länder, sowohl in Europa als auch interkontinental, entwickelt und Gespräche mit potenziellen Partnern geführt.

Effizienz steigern mit Prozessautomatisierung

Ebenfalls innovativ: Robotic Process Automation (RPA). „Wir haben uns intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und bereits erste Automatisierungserfolge erzielen können, etwa im Bereich Accounting“, sagt Alessandro Cacciola. „Nach der erfolgreichen Pilot-Phase haben wir beschlossen, das Thema RPA weiter voranzutreiben.“

Und das nicht allein, sondern zusammen mit frischen Ideengebern: Themen wie RPA oder auch „Conversational Bots“ werden derzeit im Rahmen von Praxisprojekten von Studierenden der Technischen Universität München weiter erforscht: „Die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Universitäten ist ein wichtiger Baustein für die künftige Entwicklung bei Andreas Schmid“, betont Cacciola. „Wenn wir es schaffen, frische Ideen junger Querdenker mit unserer praktischen Expertise intelligent zu verbinden, kann daraus Großes entstehen.“